Mittwoch, 19. November 2014

Zerbrechliche Freude

Im August diesen Jahres schrieb ich auf meiner facebook-Seite:

"Ich liebe den Sommer. Den Herbst find ich schön. Vorm Winter hab ich Angst."

Seitdem meine Omi, die wir im Februar 2014 schon fast einmal verloren hätten, Ende März aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen wurde, war ich mir sehr bewusst darüber, dass die große Freude, die bei uns allen darüber herrschte, eine sehr zerbrechliche Freude war. 

Meine Omi hatte Metastasen in der Leber. Ausgehend von einem Mammakarzionom, das zwei Jahre zuvor operiert worden war. Es waren aggressive, große Metastasen. Unheilbar. Aber den Progress der Krankheit zu verlangsamen oder sogar zu stoppen, das war das Ziel der palliativen Chemotherapie, die sie nun alle zwei Wochen erhielt. Der Arzt im Krankenhaus hatte uns im Februar 2014 gesagt, dass sie in Folge der Metastasen in ihrer Leber sterben würde. Sollte die Chemo nicht anschlagen, würde dies sehr schnell gehen. Wenn wir Glück haben, dann vielleicht erst in ein paar Jahren.

So vielversprechend, wie sich diese zweite Aussicht anhörte, und so sehr ich mir wünschte, dass der Arzt Recht behalten würde, habe ich in meinem tiefsten Inneren nicht an die mehreren Jahre geglaubt. All die Monate seit März 2014 habe ich bei jedem Familiengeburtstag, an jedem Feiertag und bei jedem anderen Familientreffen immer mal wieder daran gedacht, dass dies das letzte Mal sein könnte, dass wir diesen bestimmten Tag mit meiner Omi verbringen.

Und deswegen hatte ich auch Angst vorm Winter. Für Ende November war nämlich die letzte Chemo angesetzt. Ende Dezember sollte es dann noch einmal eine Computertomographie und eine abschließende Untersuchung geben. Und dann wollte der Onkologe meiner Omi erst einmal Ruhe gönnen. Ihr Körper sollte sich erholen. Von zehn Monaten andauernder Chemotherapie.

Ich hatte Angst vor dem Moment, an dem die Chemo abgesetzt wird. Auch wenn ich meiner Omi so sehr eine Pause gönnte. Nachdem sie so lange sehr tapfer alle Nebenwirkungen der Chemo ausgehalten hatte. Weil ich befürchtete, dass der Krebs dann wieder wachsen würde. Aber das er das schon währenddessen tun würde und ihr Leben so plötzlich und unerwartet innerhalb von wenigen Tagen beenden würde, das hatte ich nicht erwartet.

Weihnachten können wir nicht mehr mit ihr feiern. Und sie wird ihr zweites Urenkelkind nicht mehr kennenlernen. Das in sechs Wochen zur Welt kommen soll. Und auf das sie sich so gefreut hat.

Ich bin so traurig.

Meine Omi. Einen Tag, nachdem sie im März aus dem Krankenhaus entlassen wurde. In ihrem geliebten Garten. Ich kann mir diesen Garten, in dem ich in diesem Jahr so viel Zeit verbracht habe, ohne meine Omi kaum vorstellen.




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