Samstag, 16. Mai 2015

Ein halbes Jahr

Heute vor genau einem halben Jahr ist meine Omi gestorben.

Die Zeit seit dem ist so schnell vergangen. Sechs Monate sind irgendwie an mir vorbeigerast. Und gleichzeitig habe ich meine Omi schon so lange nicht mehr gesehen. Nicht mehr gehört. Nicht mehr mit ihr gesprochen. Sie nicht mehr gedrückt. Und das wird sich auch nicht mehr ändern. Ganz im Gegenteil. Es werden weitere Tage, Wochen, Monate und schließlich Jahre hinzukommen, in denen ich sie nicht mehr sehen kann. Nicht mehr hören. Nicht mehr mit ihr sprechen. Sie nicht mehr drücken.

Es gibt Momente, da kann ich diese Endgültigkeit akzeptieren. Und es gibt Momente, da kann ich diese Endgültigkeit immer noch nicht verstehen.

Für die Beerdigung meiner Omi habe ich diese Slideshow zusammengestellt:


Mit Bildern aus ihrem letzten Lebensjahr. Als wir uns die Slideshow ansahen, meinte Silke irgendwann: "Auf fast allen Bildern aus den letzten Monaten lacht Tante Inge." Und das stimmt.

Trauer, 
früher oder später betrifft sie uns alle.
Sie geht uns direkt ins Herz, 
nimmt uns den Atem.
Aber ist Trauer nicht auch ein Zeichen der Liebe?
Hieße nicht, 
nicht zu trauern, 
auch niemals geliebt zu haben.


Diesen Spruch habe ich mal gelesen. Er gefällt mir. Und dann denke ich, was für ein Glückskind ich bin, dass ich so eine tolle Omi hatte.

Sonntag, 10. Mai 2015

Gedanken

Am 16. November 2014 ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben gestorben. Meine Omi.
Am 6. Januar 2015, 7 Wochen und zwei Tage nach ihrem Tod, ist eine der wichtigsten Personen in meinem Leben geboren. Meine kleine Nichte Maxina.
Meine Omi und Maxina haben sich nie kennengelernt. Komischerweise vergesse ich das manchmal. Und dann denke ich, wenn ich meine Nichte bei irgendetwas beobachte, dass meine Omi zu dem, was Maxina gerade macht, immer dies oder jenes gesagt hat. Und dann fällt mir wieder ein, dass meine Omi niemals etwas zu Maxina gesagt hat. Weil sie ihr zweites Urenkelkind leider nicht mehr erleben durfte.   
Meine Omi im Garten. Am 8. Juni 2014. Mit uns allen. Da war Franzi schwanger.
Nun ist Maxina da. Aber meine Omi nicht mehr. 

Ich habe beinahe täglich mit meiner Omi telefoniert. Meistens war ich diejenige, die angerufen hat. Ich wollte hören, ob bei meiner Omi alles in Ordung ist. Sie war schließlich nicht mehr die Jüngste und lebte alleine. Manchmal sprachen wir dann nur kurz. Oftmals aber auch länger.
Manchmal, meistens am Sonntag, da war es auch so, dass meine Omi mich mal anrief: "Hallo meine Große!", sagte sie dann. "Ich bins, Deine liebe Omi! Ich wollte mich mal melden, damit Du mich nicht immer kritisierst, dass ich Dich nie anrufe!"
Heute ist Sonntag. Vor genau 25 Wochen ist meine Omi gestorben. Es wäre so schön, wenn es anders wäre. Und wenn heute irgendwann mein Telefon geklingelt hätte und meine Omi sich gemeldet hätte, mit: "Hallo meine Große! Ich bins, Deine liebe Omi!"

Heute ist Muttertag. Heute vor einem Jahr haben wir den bei meinen Eltern in Müggelheim verbracht. Es gab ein großes Frühstück. Kuchen. Feuer. Und Bingolose für alle. Das hat meiner Omi gefallen.







Oft habe ich die Stimme meiner Omi im Ohr. Ich kann mir genau vorstellen, was sie in verschiedenen Situationen sagen würde. Und wie. Und dann werde ich traurig. Weil sie nie wieder etwas sagen wird. Gleichzeitig aber bin ich froh darüber, dass ich mir so gut vorstellen kann, was meine Omi sagen würde. Wie sie es sagen würde. Und wie ihre Stimme dabei klingen würde. Ich hoffe, ich vergesse das nie.