Am Dienstagmorgen stand ich am Bahnschalter an. Zuvor hatte ich eine Nummer ziehen müssen. Wie auf dem Amt. Kurz danach stellte sich eine alte, sehbehinderte Dame in die Schlange. Sie hatte keine Nummer gezogen. Weil sie vermutlich nicht einmal sehen konnte, dass sie das hätte tun müssen.
An jedem anderen Tag in meinem bisherigen Leben hätte ich die alte Frau darauf aufmerksam gemacht. Damit sie nicht umsonst ansteht. Wahrscheinlich hätte ich ihr sogar schnell eine Nummer aus dem Automaten geholt. Aber am Dienstagmorgen, da war ich einfach nur wütend und neidisch auf diese alte Frau. Weil sie lebt. Und meine Omi tot ist. Und weil die alte Frau am Schalter anstehen konnte, um danach irgendwo hinzufahren. Und weil meine Omi nie wieder irgendwo anstehen oder hinfahren würde.
Komisch, was man so für Gedanken haben kann. In der Trauer.
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