Ende Januar diesen Jahres wurde meine Omi ins Krankenhaus eingeliefert. Weil es ihr sehr schlecht ging. Sie aß kaum noch etwas. Und bekam nur sehr schwer Luft. Die Untersuchungen ergaben, dass ihr Brustkrebs, der zwei Jahre zuvor eigentlich als geheilt galt, mittlerweile in die Leber gestreut hatte. Massiv. Und in ihrer Lunge hatte sich viel Wasser gesammelt. Eine Chemotherapie wurde angesetzt. Nicht kurativ. Sondern palliativ. So sollte die unheilbare Krankheit zumindest aufgehalten werden.
Anfang Februar saßen meine Mama und ich dem Onkologen gegenüber. Die Lage sei sehr kritisch, sagte er. Sie wüssten nicht, ob sie es schaffen würde. Ihre Organe würden anfangen zu versagen. Sie brauche auf jeden Fall diese Chemotherapie, eigentlich noch eine stärkere. Dies sei ihre einzige Chance. Aber es muss von Tag zu Tag geschaut werden, ob sich ihre Werte verbessern. Ob man ihr eine weitere Runde Chemo zumuten könne.
Wir waren jeden Tag bei ihr im Krankenhaus. Immer einer von uns. Meine Omi schlief fast die ganze Zeit. Eine Woche später wollte der Onkologe uns erneut sprechen. Meine Omi hatte an dem Tag noch keine Chemo bekommen, obwohl es an der Zeit gewesen wäre. Es ging ihr sichtlich schlecht. Wir befürchteten das Schlimmste.
Doch dann sagte uns der Onkologe, sie seien das erste Mal vorsichtig optimistisch. Die Blutwerte meiner Omi hatten sich leicht verbessert, auch wenn man ihr das nicht ansah. Die Chemotherapie sollte sie nun aber nicht wöchentlich bekommen, sondern nur alle zwei Wochen. Immer noch sei die Lage sehr kritisch. Es könnte sich immer noch in beide Richtungen entwickeln. Er wolle uns nicht zu viele Hoffnungen machen. Aber wenn wir Glück haben, schlägt die Chemo an.
Die nächsten sieben Wochen waren hart. Für alle. Vor allem natürlich für meine Omi. Aber auch für uns. Jeden Tag war mindestens einer von uns bei ihr. Sie schlief sehr viel. Kam gar nicht mehr aus dem Bett. Mitunter konnte sie nicht mal mehr einen Arm anheben. Weil sie so schwach war. Sie aß nichts. Und trank nichts. Später kostete es sie unheimlich viel Mühe, sich im Bett aufzusetzen. Ein paar Schritte zu gehen, das war unmöglich. Sie brauchte Hilfe bei allem.
Aber sie hatte einen großen Lebenswillen. Unsere Unterstützung. Und sie war in guten medizinischen Händen. Sie rappelte sich wieder auf. Irgendwann konnte sie wieder ein paar Schritte gehen. Im März konnten wir sie sogar durch den Krankenhauspark schieben. Im Rollstuhl. In die Sonne. Ihre Blutwerte verbesserten sich zusehend. Die Ärzte gingen davon aus, dass die Chemo anschlug. Und irgendwann, Ende März, kam der Tag, an dem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Nach Hause.
Wir haben uns so gefreut. Und sie sich natürlich auch. Denn es gab viele Tage in den Wochen zuvor, an denen dies unmöglich schien. Vor allem, dass sie jemals noch einmal alleine zu Hause leben würde können. Das war beinahe ausgeschlossen.
Nun war sie wieder zu Hause. Zwar bekam sie jetzt eine Pflegestufe. Und ein bisschen Hilfe vom Pflegedienst bei der Tabletteneinnahme. Und bei der Wohnungsreinigung. Aber ansonsten kam sie prima zurecht.
Die ersten zwei Nächte nach der Entlassung übernachtete ich auf ihrem Sofa im Wohnzimmer. Um sicherzugehen, dass alles glatt geht. Am ersten Morgen, ich erinnere mich noch, lag ich noch auf der Couch, während meine Omi in der Küche werkelte und sich Grießbrei kochte. Weil sie darauf Appetit hatte. Ich fand das toll. Das klingt wie eine Kleinigkeit. Aber diese Kleinigkeit war einige Wochen zuvor undenkbar.
Bis drei Wochen vor ihrem Tod ging es meiner Omi gut. Und oft auch sehr gut. Wenn sie zum Beispiel in ihrem Garten war. Mit uns zusammen.
Die Chemo brachte einige Nebenwirkungen mit sich. Meine Omi fror. Immer. Auch im Hochsommer. Fast immer hatte sie die Heizung aufgedreht. So dass man sofort alles auszog, was möglich war, wenn man in ihr saunahaft anmutendes Wohnzimmer trat. Und meine Omi saß da mit einer Jacke. Sie hatte kalte Hände und taube Finger. Manchmal hatte sie Bauchschmerzen. Ihre Augen tränten. Irgendwann fielen ihr die Haare aus. Und wir kauften ihr zwei superschicke Mützen. Sie hatte ein Mützengesicht. Aber all das hat sie tapfer ertragen. Sich nicht viel beklagt.
Wenn der Onkologe sie bei den Kontrollterminen fragte, ob sie trotz aller Nebenwirkungen weitermachen wolle mit der Therapie, dann ließ sie ihn meistens gar nicht ausreden, sondern rief: "Ja, auf jeden Fall! Auf jeden Fall weitermachen!" Das hat sie auch am 30.10. gesagt. Bei ihrem letzten Kontrolltermin in der Onkologie. Zu dem ich sie begleitet habe. Und da ging es ihr eigentlich gar nicht mehr gut.
Die Chemo brachte einige Nebenwirkungen mit sich. Meine Omi fror. Immer. Auch im Hochsommer. Fast immer hatte sie die Heizung aufgedreht. So dass man sofort alles auszog, was möglich war, wenn man in ihr saunahaft anmutendes Wohnzimmer trat. Und meine Omi saß da mit einer Jacke. Sie hatte kalte Hände und taube Finger. Manchmal hatte sie Bauchschmerzen. Ihre Augen tränten. Irgendwann fielen ihr die Haare aus. Und wir kauften ihr zwei superschicke Mützen. Sie hatte ein Mützengesicht. Aber all das hat sie tapfer ertragen. Sich nicht viel beklagt.
Wenn der Onkologe sie bei den Kontrollterminen fragte, ob sie trotz aller Nebenwirkungen weitermachen wolle mit der Therapie, dann ließ sie ihn meistens gar nicht ausreden, sondern rief: "Ja, auf jeden Fall! Auf jeden Fall weitermachen!" Das hat sie auch am 30.10. gesagt. Bei ihrem letzten Kontrolltermin in der Onkologie. Zu dem ich sie begleitet habe. Und da ging es ihr eigentlich gar nicht mehr gut.
Aber sie wollte leben. Und ihr Lebenswille hat sie so weit gebracht. Hat ihr über neun Monate geschenkt. Nach der Diagnose Anfang Februar. Und ihr Lebenswille hat uns über neun Monate mit ihr geschenkt. Wir hatten ein wunderbares Frühjahr zusammen. Einen tollen Sommer. Und einen schönen Herbst. Dafür bin ich sehr dankbar.
Meine Omi bei der Gartenarbeit. Ende Juli.

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