Seitdem meine Omi im Sterben lag, vor allem aber, seitdem sie tot ist, fühle ich mich wie der unglücklichste Mensch auf der ganzen Welt.
Alle Leute, die ich auf der Straße sehe, scheinen mir fröhlich und zufrieden. So zum Beispiel zwei ca. 60-jährige Zwillingsschwestern, die neulich mit mir im ICE saßen und sich darüber unterhielten, was sie Weihnachten anziehen wollen. Ich habe das Abteil gewechselt, weil ich die ganze Zeit daran denken musste, dass meine Omi und ihre Schwester sich nie wieder unterhalten können.
Kaum können die anderen schon jemals in ihrem Leben so einen Verlust erlitten haben, wie ich gerade. Kaum können sie jemals in ihrem Leben schon so traurig gewesen sein, wie ich gerade. Kaum kann einer von ihnen so eine tolle Omi gehabt haben wie ich.
Das ist mein subjektives Gefühl. Obwohl mir andererseits natürlich klar ist, dass das objektiv betrachtet Quatsch ist. Täglich sterben Menschen. Und nicht immer sind sie schon im Alter meiner Omi, sondern oft sind es auch junge Leute oder sogar Kinder. Die meisten werden Angehörige haben, Freunde und Partner, die sie vermissen und unendlich traurig sind über ihren Tod. Und auch andere Enkelkinder finden sicherlich, dass sie die allerbeste Oma auf der Welt haben. Das weiß ich alles, aber subjektiv betrachtet halte ich mich trotzdem für den traurigsten Menschen überhaupt.
In den letzten Tagen habe ich viele liebe und anteilnehmende Nachrichten bekommen. Von Menschen, die meinen Blog lesen. Und von einigen, die auf anderem Weg vom Tod meiner Omi erfahren haben. Einige von ihnen haben selber schon schwere Verluste erlitten. Und geliebte Menschen verloren. Und alle von ihnen haben mir versichert, dass es irgendwann besser wird. Auch wenn es ein schwerer Weg wird. Dass man trotzdem irgendwann mit dem Verlust leben kann. Und wieder froh ist. Und nicht immer nur traurig. Sondern nur noch manchmal. Und alle wussten aus eigener Erfahrung, dass es eine Zeit geben wird, in der mich die Erinnerungen an meine Omi trösten werden. Mich glücklich machen. Und mir Kraft geben.
Ich bin überzeugt davon, dass dieser Tag kommen wird. Und vor allem bin ich überzeugt davon, dass meine Omi sich wünschen würde, dass dieser Tag für uns alle nicht so weit entfernt liegt. Und dass wir nicht allzu lange traurig sind über ihren Tod. Und uns freuen über die vielen Jahre, die wir mit ihr zusammen hatten - wenn wir über sie nachdenken, über sie reden oder uns Fotos und Videos anschauen.
Im Moment aber treibt mir die Erinnerung an meine Omi und an ein Leben ohne sie in unserer Mitte fast immer die Tränen in die Augen. Aber ich bin dankbar dafür, dass sie mich 35 Jahre meines Lebens begleitet hat. Und dass sie so eine tolle Omi für mich war. Denn so ein Glück hat nicht jeder.
So wie hier, als ich ca. 1 Jahr alt war, hat meine Omi mich eigentlich mein ganzes Leben lang angestrahlt. Jetzt kann sie mich nur noch in meinen Erinnerungen anstrahlen.

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