Sonntag, 23. November 2014

Garten

Heute waren wir im Garten. So trostlos, wie es gerade jahreszeitlich bedingt im Garten aussieht, so trostlos fand ich es auch, dort zu sein. 


Als ich vorm Garten parkte, konnte ich erst einmal gar nicht aussteigen. Und musste weinen. Dann kletterte Tamino zu mir ins Auto. Franzi, Anton und er waren kurz nach mir angekommen. Und ich hab mir die Tränen weggewischt. 

Nach uns allen war der Garten meiner Omi das Allerliebste. Hier hat sie fast 30 Jahre lang in den Gartenmonaten jeden Tag herumgewerkelt. Es ist ein wunderschöner Garten. Zum Glück haben wir dort in diesem Jahr noch so viel schöne Zeit mit meiner Omi verbracht. Wie es im nächsten Jahr wird, ohne sie, daran kann ich noch gar nicht denken. 

Als ich heute ins Gartenhaus kam, war das erste, was ich sah, der Stuhl, auf dem meine Omi immer saß. 


Die Vorstellung, dass wir diesen nun nie wieder für sie aufstellen werden, ist furchtbar. Nie wieder wird sie darin neben dem Beet sitzen und uns Tipps geben, wie man dies und jenes am besten macht. Nie wieder wird sie uns anlachen, wenn wir an ihr vorbeigehen. 


Der Garten hat meine Omi jung gehalten. Habe ich immer gesagt. Sie ist 81 Jahre alt geworden. Ohne ein einziges graues Haar. Auch jetzt nicht, als die Haare, die ihr durch die Chemo ausgefallen waren, langsam wieder zu wachsen anfingen. In den letzten Jahren ist ihr vieles im Garten nicht mehr so leicht gefallen. Aber trotzdem ist sie immer noch jeden Tag rausgefahren. Mit dem Fahrrad. Bis zum Herbst 2013. Wir haben sie unterstützt, so gut es ging. Aber das meiste hat sie immer noch alleine gemacht. Und wenn sie dann ein bisschen klagte, dass sie das alles nicht mehr schafft, dann habe ich immer gesagt: "Omi, der Garten sieht doch super aus. Ein bisschen Unkraut ist doch nicht schlimm. Und nur, weil Du den Garten hast, bist Du noch so fit. Andere Leute in Deinem Alter sitzen schon seit Jahren im Schaukelstuhl im Altersheim. Oder stehen, auf ein Kissen gestützt, am Fenster und starren auf die Straße." Dann hat sie immer gelacht. Und mir recht gegeben.

Heute waren wir zum ersten Mal im Garten, ohne dass wir meine Omi etwas fragen konnten. Zum Beispiel, ob man die Erdbeerableger jetzt verpflanzt. Oder noch wartet. Ob man die verblühten Pflanzen schon jetzt abschneidet. Oder erst im Frühjahr. Ob wir noch einmal Rasen mähen sollen vorm Winter. Oder lieber nicht. Wir haben es dann so gemacht, wie wir meinten, dass es richtig ist. Um den Garten winterfest zu machen. Und das Wasser haben wir abgestellt. Das hat sonst auch immer meine Omi gemacht - bzw. hat sie von oben Anweisungen gegeben, während einer von uns in der Wassergrube hockte. Und an den Hähnen drehte.  

Es war schwer und traurig heute im Garten. Aber meine Omi würde es freuen, wenn sie wüsste, dass wir draußen waren. Und dass wir uns um den Garten kümmern. Bevor der Winter kommt. Damit alles so ist, wie sie es auch immer gemacht hat. Damit wir im nächsten Jahr wieder einen schönen Frühling, Sommer und Herbst im Garten haben. Obwohl ich mir das kaum vorstellen kann. Im Garten zu sein. Im nächsten Jahr. Ohne meine Omi.

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