In den letzten drei Tagen habe ich die Rede für die Beerdigung meiner Omi geschrieben. Ich wollte, dass es die perfekte Rede für sie wird. Sie hat oft zu mir gesagt: "Du kannst so schön schreiben." Vor allem während meines Studiums, wenn ich ihr mal Seminararbeiten von mir zum Lesen gab. Ich hoffe, die Rede würde ihr gefallen, wenn sie sie hören könnte. Und sie würde dann sagen: "Das hast Du schön geschrieben."
Selber halten werde ich die Rede aber nicht. Das würde ich nicht schaffen. In den nächsten Tagen sprechen wir mit dem Trauerredner. Ich hoffe, mein Text ist nicht zu lang geworden. Denn ich wüsste nicht, was ich rauslassen sollte.
Letzte Woche haben wir die Wohnung meiner Omi gekündigt. Die Wohnung, in der sie fast 50 Jahre lang gelebt hat. Die Wohnung, in der meine Mama aufgewachsen ist. Die Wohnung, in der Franzi und ich viele glückliche Stunden als Kinder verbracht haben. Die Wohnung, in der meine Omi uns zum Frühstück, wenn wir bei ihr übernachtet hatten, immer Bratstulle mit Zucker gemacht hat. Und Ei im Glas. Auch, wenn sich beides komisch anhört, war es superlecker. Und so etwas haben wir nur bei meiner Omi bekommen.
Zunächst haben wir ihre Wohnung erst einmal nur auf dem Papier gekündigt. Das ging. Ihre Wohnung auszuräumen, das wird bestimmt sehr hart.
Seit ihrem Tod war ich nur einmal in ihrer Wohung. Einen Tag, nachdem sie gestorben war. Und auch nur, weil ich musste. Um einige Unterlagen zu holen, die wir für den Bestatter brauchten.
Es war ganz furchtbar, diese mir so vertraute Wohnung zu betreten, in der alles so aussieht wie immer, aber doch nichts mehr so sein wird, wie es einmal war.
Meine Omi war keine typische Oma. Und sie hatte auch keine typische Oma-Wohnung. Ihre Wohnung war sehr modern und geschmackvoll eingerichtet. Mit vielen hellen Möbeln. Und einem cremefarbenen Ledersofa, dass sie sich vor zwei oder drei Jahren noch gekauft hatte.
Wir werden viele ihrer Sachen und Möbel im Haus meiner Eltern unterbringen. Meine Eltern haben Platz, die Sachen meiner Omi werden sich hier gut machen, und meine Omi würde sich freuen, dass wir so viel von ihr behalten werden.
Bisher drücken wir uns davor, in die Wohnung meiner Omi zu fahren und anzufangen. Bis zum 28. Februar haben wir noch Zeit dafür. Und dann wird irgendjemand anderes in ihre Wohnung ziehen. Eine Wohnung, in der sie ein halbes Jahrhundert lang gelebt hat.
Das traditionelle Familienfoto zum Geburtstag meiner Omi. Diesmal zu ihrem 80. Im Jahre 2013.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen