Samstag, 6. Dezember 2014

Aufrichtiges Beileid

Meine Omi hatte einige sehr gute Bekannte, mit denen sie über viele Jahrzehnte hinweg verbunden war. Wir würden solche Bekanntschaften wahrscheinlich eher als Freundschaften bezeichnen. Aber ich glaube, die ältere Generation belässt es oftmals bei der sehr herzlich gemeinten "Bekanntschaft".
Die meisten dieser Bekannten meiner Omi habe ich nie persönlich getroffen. Aber ich kannte sie aus ihren Erzählungen. Ich wusste ziemlich genau Bescheid darüber, wer wo wohnte, woher und wie lange man sich kannte oder wann man sich gegenseitig besucht hatte. Auch in diesem Jahr, als meine Omi schwer erkrankte und so lange im Krankenhaus lag, sorgten sich ihre Bekannten um sie. Weil sie meine Omi, untypischwerweise, telefonisch oder postalisch nicht erreichten konnten. Und dann wendeten sie sich auf Umwegen an uns, um zu erfahren, ob etwas passiert sei. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erfreuten sie meine Omi mit Besuchen und Anrufen. Zum Beispiel rief eine Freundin aus ihrer Jugend sehr regelmäßig an. Und kam vorbei. Das fand meine Omi sehr nett und rührend. Auch ehemalige Arbeitskollegen meldeten sich zuverlässig. Einmal standen auch zwei Frauen aus ihrer Wassergymnastikgruppe überraschend vor ihrer Tür. Meine Omi fand das toll. Sie freute sich immer über Besuche. Oder liebe Anrufe.

Von vielen dieser Menschen haben wir nun bereits Beileidskarten erhalten. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man sich über solch eigentlich so traurige Post freuen kann. Aber wir haben tatsächlich schöne Beileidskarten bekommen. Karten, die über die aufgedruckte "aufrichtige Anteilnahme" hinausgehen. Karten, in denen sich die Schreiber Gedanken gemacht haben. In denen sie sich erinnern an meine Omi. Karten, aus denen hervorgeht, dass meine Omi nicht nur eine flüchtige Wegbegleiterin für sie war, sondern eine langjährige und wertvolle Freundin, Arbeitskollegin, Schwimmfreundin und Gesprächspartnerin. Karten, für die ein schönes Gedicht ausgesucht wurde. Karten, in denen gesagt wird, welchen Lebensmut meine Omi hatte, wie gerne sie lebte und wie tapfer sie war. Karten, in denen berichtet wird, wie wichtig meiner Omi ihre Familie war. Und ihr Garten.
Über solche Zeilen freue ich mich. Genauso wie über das, was meine Freunde an uns gesendet haben. Freunde von mir, die meine Omi seit vielen Jahren kannten, und die ebenfalls viele gute Erinnerungen an sie und unseren Garten haben.

Vielen Dank auch an alle, die diesen Blog lesen. Und an die, von denen ich dann liebe und anteilnehmende Nachrichten erhalten. Ich freue mich sehr darüber, auch wenn ich nicht immer gleich antworten (kann).

Neulich fragte mich Tamino, als ich am Computer saß, was ich da mache. Ich antwortete ihm, dass ich eine Rede für Omi Inge schreibe. Er überlegt kurz und fragte dann, ob ich Omi Inge die Rede dann in den Himmel schicken würde.
Wir wissen nicht, woher er das mit dem Himmel hat. Von uns nicht. Aber vielleicht aus der Kita. Von einem anderen Kind. Oder den Erziehern. 

Das erste Foto von Tamino und meiner Omi. Im Juli 2010. Da war Tamino fünf Wochen alt. Und meine Omi hatte ihn zum ersten Mal auf dem Arm. Vorher war ihr Tamino noch zu klein, und sie hat sich nicht getraut.

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