Sonntag, 14. Dezember 2014

Bereit?

Wir haben angefangen, die Wohnung meiner Omi auszuräumen. 
Gestern haben wir Kisten gepackt. Verschiedene Kisten. Dinge, die meine Mama haben möchte. Dinge, die ich haben möchte. Dinge, die wir in den Garten bringen wollen. Und Franzi hat sich auch ein paar Sachen rausgesucht.
Gestern war ich das erste Mal wieder in der Wohnung. Seit fast vier Wochen. Jede Wohnung hat ihren eigenen Geruch. Die Wohnung meiner Omi würde ich mit verbundenen Augen aus hunderten heraus erkennen. Als ich gestern in die Wohnung kam, schien alles wie immer. Aber meine Omi war nicht da. Das war schlimm. Beim Packen der Kisten ging es dann. Auch wenn ich zwischendurch immer wieder meine Omi vor mir sah, wie sie immer auf ihrem Lieblingsplatz im Wohnzimmer saß. Aber die meiste Zeit war ich beschäftigt. Und ich freue mich, dass ich viele Sachen von meiner Omi in meiner Wohnung haben werde. Und meine Omi würde sich sehr freuen, wenn sie wüsste, dass wir so viel von ihr behalten werden.

Heute haben wir die ersten Möbel zu meinen Eltern gebracht. Nachdem die Möbel im Auto verstaut waren, war das Wohnzimmer meiner Omi halb leer. Ich saß auf ihrem Sofa, an der Stelle, wo sie immer saß, und fand den Anblick schrecklich. Da wurde mir dann noch einmal so richtig bewusst, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Und dass meine Omi nie wieder auf ihrem Sofa sitzen würde. 

Bei meinen Eltern richten wir ein "Omi-Zimmer" ein, wie meine Mama immer sagt. Das wird schön. 

Auf dem Friedhof war ich heute auch. Alleine. Und nur kurz. Ich habe neue Kerzen auf das Grab gestellt. Und versucht zu verstehen, dass ich meine Omi jetzt nur noch dort besuchen kann. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis ich mich an diesen Gedanken gewöhnt habe. Die Blumen von der Beisetzung sehen immer noch sehr schön aus. Mit der Winterbepflanzung können wir uns also noch ein paar Tage Zeit lassen. Tanne aus ihrem Garten werden wir meiner Omi aufs Grab legen. Und eine Christrose pflanzen. Das Grab meiner Omi ist sehr klein, aber wir wollen es so schön wie möglich gestalten. Das ist das einzige, was wir noch für sie tun können. Ihr Grab soll das schönste sein. Obwohl sie es doch gar nicht mehr sehen kann.
Anstatt nach Weihnachtsgeschenken für meine Omi zu schauen oder ihr einen Fotokalender für das nächste Jahr zu basteln, so wie sonst immer, habe ich gestern abend eine Grablaterne für sie im Internet bestellt. Und Grabkerzen. 

Ich war jetzt drei Wochen lang krank geschrieben. Und hatte eine Woche Urlaub. Morgen gehe ich wieder arbeiten. Das erste Mal, nach über vier Wochen. Einige Freunde von mir haben mich gefragt, ob ich bereit bin, wieder zu arbeiten.
Wenn bereit sein bedeutet, dass mir nicht mehr ständig die Tränen kommen. Und wenn bereit sein heißt, dass es mir schon ein bisschen besser geht, als ganz am Anfang, nachdem meine Omi gestorben war. Nein, dann bin ich nicht bereit, wieder arbeiten zu gehen.
Aber irgendwann muss ich ja wieder in den Alltag. Und ich denke nicht, dass es mir in zwei Wochen oder einem Monat viel besser gehen wird als jetzt. Also fange ich morgen wieder an zu arbeiten. Vielleicht ist ein bisschen Arbeitsablenkung auch gar nicht so schlecht. Denn ich brauche auch mal ein bisschen Pause von der Trauer. 

Bevor wir gestern mit dem Ausräumen angefangen haben, habe ich noch mal alle Zimmer meiner Omi fotografiert. Das hier ist ihr Wohnzimmer. Ihr Platz in der Mitte der Couch ist jetzt für immer leer.


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