Mittwoch, 21. Januar 2015

Wie es mir geht

Jemand, den ich mal gut kannte, hat seine Mutter verloren. Vor anderthalb Jahren. Vier Monate nach ihrem Tod sagte er zu mir, dass er damit immer noch nicht zurecht kommt. Und ihren Tod noch nicht verarbeitet hat. 
Schon damals konnte ich mir das gut vorstellen. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt so einen schlimmen Verlust noch nicht erlebt hatte. Trotzdem schienen mir vier Monate eine sehr kurze Zeit zu sein, um den Tod eines wichtigen Menschens zu verstehen, zu akzeptieren und zu verarbeiten.

Heute weiß ich, dass vier Monate tatsächlich eine sehr kurze Zeit sind. Um klar zu kommen mit dem Tod. Auch wenn vier Monate gleichzeitig eine sehr lange Zeit sind. Wenn man jemanden vermisst.

Er hat seine Mutter damals beim Sterben begleitet. Ich habe ihn dafür bewundert. Und mich gleichzeitig gefragt, wie man das schaffen kann. Und aushalten. Ich konnte mir nur sehr schwer vorstellen, wie sich das ertragen lässt.

Heute weiß ich, dass man das schaffen kann. Und aushalten. Aus Liebe. Und weil es irgendwie auch schön ist. Und einem Frieden gibt. Inmitten einer schrecklichen Situation.

Ich weiß nicht, wie er heute mit dem Tod seiner Mutter umgeht. Und wie es ihm damit geht. Aber ich hoffe, besser.

Ich weiß nicht, wie es mir anderthalb Jahre nach dem Tod meiner Omi gehen wird. Aber ich hoffe, besser.

Vor ein paar Tagen fragte mich die liebe Hanka, wie es mir geht. Ich antwortete, dass es mal so, mal so sei. Manchmal ein bisschen besser. Und dann wieder nicht. Und das ich mich irgendwie an die Situation gewöhne(n muss). Und dann plötzlich wieder furchtbar traurig bin. Hanka konnte das gut nachvollziehen - denn an der Situation an sich habe sich ja leider nichts geändert. Und Gewöhnung würde eben einsetzen - ob das nun gut sei oder nicht. Damit hat sie es ganz gut zusammengefasst, finde ich. 

Dieses Foto ist auf den Tag genau fast ein Jahr alt. Wir trafen uns hier zur jährlichen Silvesternachfeier bei meinen Eltern. Um auf ein gesundes neues Jahr anzustoßen. Meiner Omi ging es zu dieser Zeit schon nicht besonders gut, knappe 10 Tage später wurde sie ins Krankenhaus eingewiesen.


Manchmal frage ich mich, ob sie noch am Leben wäre, wenn sie früher zum Arzt gegangen wäre. Oder wenn wir sie früher zum Arzt gebracht hatten. Stattdessen nahmen wir alle an, dass ihr starkes Unwohlsein mit der neuen Anti-Hormon-Tablette zusammenhänge, die sie seit einer Weile einnahm. Und die gegen die verdächtigen Stellen in ihrer Leber wirken sollten, die einige Wochen zuvor bei einer Krebsnachsorgeuntersuchung festgestellt worden waren.
Die Frage kann mir niemand beantworten. Und ich sollte sie mir auch nicht stellen. Denn das hilft mir nicht. Und dadurch ändert sich gar nichts. Manchmal kommt sie mir aber trotzdem in den Kopf. Aber immer nur für einen Moment. 

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