Mittwoch, 4. Februar 2015

Eine meiner Lieblingserinnerungen

Ich habe sehr viele schöne Erinnerungen an das letzte Jahr. Mit meiner Omi. Und ich habe viele Lieblingserinnerungen an das letzte Jahr. Mit meiner Omi. 
Zu meinen Lieblingserinnerungen zählen zum Beispiel drei Tage Anfang August. Als Franzi und ich im Garten gezeltet haben. Zusammen mit Tamino, Maria und Valentin. Wir hatten das schon lange einmal vor, im August klappte es dann endlich. Während wir abends und nachts mit den beiden Jungs und Maria alleine waren, hatten wir tagsüber viel Besuch.
So schaute an Tag 1 fast die gesamte Familie vorbei. Und jeder machte erst einmal seins. Meine Omi und Anton entspannten.





Während sich die immer fleißige Franzi dem Unkraut widmete. Das uns auch noch in den nächsten Tagen beschäftigen sollte.
   

Valentin und Tamino beschäftigten sich mit Wasser, bevor es dann bald schon die erste Essenspause gab. 


Immer diese Esserei - ein wichtiger Programmpunkt bei den meisten unserer Familientreffen. Und meiner Omi schmeckte es sehr. Was so ein gutes Zeichen war.








Nach der Esserei begannen Valentin und Tamino, einen dramatischen Rettungseinsatz inmitten von Schnittlauch, Mangold und Zucchini zu inszenieren. 


  
Meine Omi hatte hier schon begonnen, ihren im Rollator stehenden Korb zu bepacken. Diesen kleinen Korb mit dem grünen Stoffrand hatte sie im Garten immer dabei. Und transportierte darin vieles nach draußen. Einen Kochtopf mit dem Mittagessen zum Beispiel. Kuchen und Kaffee für den Nachmittag. Gewaschene Handtücher oder Handschuhe für den Garten. Oder irgendeinen Brief oder Zeitungsausschnitt, den sie uns zeigen wollte. 


Und genauso transportierte sie Diverses darin auch wieder zurück nach Hause. Neben Sachen, die gewaschen werden mussten, enthielt der Korb auf dem Nachhauseweg meistens auch immer die Erträge der Gartenarbeit. Äpfel zum Beispiel. Erdbeeren und Himbeeren. Mangold. Kohlrabi. Schnittlauch. Oder Walnüsse. Meine Omi packte dies alles immer so platzsparend, dass sie ungefähr die doppelte Menge von dem in dem Korb unterbrachte, was ich darin hätte verstauen können.






Währenddessen machte sich meine (Groß)Tante Lilo an anderer Stelle des Gartens zu schaffen. Genauso wie meine Omi, als sie selber noch vieles im Garten tun konnte, kann meine Tante nur schwer still sitzen. Darin waren sich die Schwestern immer sehr ähnlich. Ausgeruht wurde immer nur kurz, denn schnell entdeckte man vom Stuhl aus etwas, das sofort  beschnitten, herausgezupft, umgepflanzt oder geerntet werden musste.


Meine Omi beobachtete das Treiben um sich herum. Und fühlte sich sehr wohl. Sie war froh, im Garten zu sein. Und sie war froh, bei uns zu sein. Wir hatten manchmal Bedenken, ob es vielleicht zu anstrengend für sie sei, wenn wir mit ihr dahin fuhren. Oder sie dorthin brachten. Aber meine Omi verneinte das stets. "Nein, nein, mir ist das nicht zu viel. Ich freue mich über jede Ablenkung", hat sie dann immer gesagt. Ohne unsere Hilfe war sie im letzten Jahr an ihre Wohnung gebunden, nachdem sie bis zu ihrer schweren Erkrankung Anfang 2014 noch alles alleine gemacht hatte. Sie war in den Garten geradelt, durch die Stadt getingelt, einkaufen gefahren oder zur Wassergymnastik gegangen. Nun aber konnte sie ihre Wohnung ohne uns nicht mehr verlassen. Sie fühlte sich in ihren vier Wänden zwar pudelwohl ("vier Wände" und "pudelwohl", diese Worte hat sie oft benutzt), aber genauso freute sie sich auch darüber, mit uns zusammen etwas zu unternehmen.


Franzi. Erneut im Unkraut. Das uns in den Wochen zuvor, obwohl wir uns doch sehr im Garten bemühten, irgendwie über den Kopf gewachsen war. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. 




Umso bewundernswerter finde ich es im Nachhinein, wie es meine Omi über 30 Jahre lang (und auch noch im hohen Alter) geschafft hat, unseren Garten so toll in Schuss zu halten. Es sah dort immer so schön aus. So grün. Und so bunt. Und es gab so viel zu ernten.
In den Gartenmonaten radelte sie jeden Tag mit dem Fahrrad nach draußen. 1,5 km waren es. Von ihrer Wohnung im Redwitzgang 14 in unseren Garten im Baldinsteg 19. Der Garten hat meine Omi jung gehalten. Und sie aufgemuntert. Wenn die Kniee nicht mehr mitmachten. Oder die Kraft nachließ. In den letzten Jahren. Denn trotz dessen werkelte sie sich munter weiter durch den Garten. Jeden Tag. So lange wie sie konnte.
Wir treten nun in sehr große Fußstapfen. Und meine Omi ist nicht mehr da. Und kann uns nicht mehr sagen, was wir alles beachten müssen. Ich wünschte, ich hätte sie öfter gefragt, was für jenes Obst, dieses Gemüse oder solch eine Pflanze wichtig ist. Und mir ihre Antworten aufgeschrieben. Nun haben wir nur noch ihr altes Gartenhandbuch.

Am Nachmittag begannen Tamino, Maria und Valentin damit, unser Nachtlager aufzubauen. Zwei Zelte sollten es werden. Eins für Maria und mich. Eins für Franzi und die beiden Jungs.









Am Abend fuhren dann alle nach Hause, und dann waren es nur noch fünf. Sowie diverse Feuerwehrautos. Rettungshelikopter. Und Polizeieinsatzwagen.  



Wir entfachten ein kleines Feuer. Und drehten uns Knüppelteig am Spieß. 






Bevor wir dann die Zelte für die Nacht bezogen. 


Tag zwei. Das Wetter sah vielversprechend aus.  



Und wenn dann der hier vorm Zelt steht und einen anlacht, dann macht es auch nichts, dass es erst kurz nach sieben Uhr ist.


Nach dem Frühstück ging es gleich wieder ins Beet.


Und anschließend ins Wasser.



Nach einer Runde Rummikub holte ich mittags meine Omi von zu Hause ab. 



Hier haben wir, denke ich, das neue Kinderschokoladegesicht!



Auf Grund des etwas unstetigen Sommerwetters mussten wir für eine Weile ins Haus umziehen. Es regnete, und so gab es das Mittagessen überdacht.




Meine Omi. In ihrem liebsten Gartenstuhl. Und mit einer Decke. Da ihr, wie meistens, kalt war. Eine Nebenwirkung der Chemotherapie. Aber das ertrug sie taper. Genauso wie alle anderen Beschwerden, die die Behandlung mit sich brachte. "Wenn es mir denn hilft, dann halte ich das gut aus", hat sie immer gesagt.





Am Nachmittag kam dann noch weiterer Besuch. Und anscheinend hatten wir nur ein einziges Spiel dabei.



Wieder draußen verschwand Franzi erneut im Unkraut.




Hier ist das Unkraut schon vernichtet und das Gemüse wieder aufgetaucht, das zuvor nur erahnt werden konnte. 



Maria in der Hängematte. Die die kompletten drei Tage lang permanent durch eine oder mehrere Personen besetzt war.



Die beiden hier sind ganz dicke. Bei Familientreffen. Da klebt der eine meist am anderen. Im Garten, über drei Tage hinweg, verstanden sie sich auch sehr gut. Aber dennoch schallten am zweiten Tag schon vermehrte "Maaaaan Valentiiiin!" sowie "Maaaaaaaaaan Taminoooooo!"-Rufe durch den Garten. Aber der Ärger hielt meist nur kurz an. 



Es wurde Abend. Der Tag ging zu Ende.





Franzi und Tamino erzählten sich was. 



Und Valentin garte sich eine Kartoffel überm Feuer.




An Tag 3 zog Maria direkt aus dem Zelt in die Hängematte. 












Tamino übernahm meine Kamera. Er könnte einmal Fotograf werden. Wenn er dafür, neben seinem Job als Feuerwehrmann, Müllmann und Polizist noch Zeit haben wird.













Gegen Mittag holte ich meine Omi wieder von zu Hause ab. Damit sie mit uns im Garten sein konnte.













Die folgenden drei Fotos wurden von Valentin und Tamino gemacht. Gute Perspektiven, finde ich.



Die Erinnerung an diese drei Tage im August 2014 ist deswegen eine meiner liebsten aus dem letzten Jahr, weil wir viel Spaß hatten im Garten. Weil ich so gerne da draußen bin. Weil ich gerne zelte. Und weil ich gerne am Feuer sitze.


Aber vor allem ist es eine meiner liebsten Erinnerungen, weil es meiner Omi so gut ging. Anfang August. Wenn man bedenkt, wie unheilbar krank sie war. 

Mitte Juli, knappe drei Wochen zuvor, hatte es noch ganz anders ausgesehen. Meine Omi hatte einen Rückfall erlitten und im Krankenhaus wurde durch Blutuntersuchungen und eine Computertomographie festgestellt, dass der Krebs, der zunächst eingedämmt schien, nun Resistenzen gegen die Chemo gebildet hatte. Noch im Krankenhaus wurde die Chemotherapie umgestellt, und meine Omi konnte wieder nach Hause. Es ging ihr von Tag zu Tag besser. Und diese neue, stärkere Chemo verursachte sogar weniger Beschwerden, als die Therapie, die sie zuvor erhalten hatte. Ihr Appetit kam zurück und sie fühlte sich gut. Den Umständen entsprechend. Das war so ein riesiger Erfolg. Und so schön. 



In diesem Gartenjahr werden wir neue Erinnerungen schaffen. Zum ersten Mal mit unserem neuen Familienmitglied, meiner kleinen Nichte Maxina. Und zum ersten Mal ohne meine Omi.
Es wäre so schön, wenn sie den ersten Sommer von Maxina noch hätte miterleben dürfen. Aber leider haben sich die beiden nicht einmal mehr kennengelernt.  

Vor ein paar Tagen war ich mit Tamino im Auto unterwegs. Auf der Rückbank stand eine Kiste mit Sachen von meiner Omi. Tamino fragte mich, ob die Dinge in der Kiste von Omi Inge seien. Als ich das bejahte, sagte er Folgendes, was mich gleich wieder zum Weinen brachte, weil es so niedlich war. So traurig, So voll kindlicher Logik. Und so wahr ...

Tamino: "Mama hat gesagt, wir gehen bald mal zum Friedhof. Dann male ich Omi Inge ein Bild. Mit Omi Inge und Maxina drauf."
Ich: "Das ist eine schöne Idee. Aber mal Dich doch auch noch dazu. Omi Inge, Maxina und Du."
Tamino: "Ne, mich muss ich nicht dazu malen. Omi Inge kennt mich ja. Aber Maxina kennt sie nicht."

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